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Flörsheimer Gallus-Konzert diesmal weihnachtlich Main Spitze 12.12.2011 - Flörsheim Von Nadja Salameh
Was wäre eine weihnachtliche Musiksaison ohne das alles überstrahlende Weihnachtsoratorium von Bach? Die Flörsheimer Kantorei unter Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann gab eine gelungene Version dieses Meisterwerkes zu Gehör. Stimmlich frisch aufgelegt, mit einem überzeugenden Solistenquartett und einer hervorragend aufspielenden „Capella Accademica Frankfurt“ gelang ein weiterer gelungener Konzertabend.
Erfreulich war die Beschränkung der aufzuführenden Kantaten auf Nr. I und II sowie der VI. Kantate. Jeder allzu ehrgeizige „Kantaten Marathon“ wurde so unterbunden. So begann dieses Konzert mit dem berühmten Paukenschlag des Eingangschores „Jauchzet, frohlocket“ der Eröffnungskantate. Großmann fand ein hervorragendes Tempo, flott, aber nicht hektisch, dynamisch federnd, und die Flörsheimer Kantorei mit exzellenter Aussprache tat ihr Bestes, um für weihnachtliche Stimmung zu sorgen. Mit ausgeglichenem Chorklang wusste die Kantorei auch in den Piano-Chorälen wie „Ich steh’ an deiner Krippen hier“ zu überzeugen und hatte ein strahlendes Forte bei „Brich an, du schönes Morgenlicht“.
Hervorzuheben sind die 18 Männerstimmen, die sich stimmgewaltig gegen Sopran und Alt behaupteten und engagiert und klangschön in allen Lagen sangen. Die „Capella Accademica Frankfurt“, ein Orchester, das sich überwiegend aus konzertierenden Dozenten und ihren weit fortgeschrittenen Studierenden des Instituts für historische Aufführungspraxis zusammensetzt, entwickelte einen gesunden und feinen Klang, ohne künstliche ausschweifende barocke Bögen. Der Klang war sonor und in keiner Weise geschabt. Grandios spielte das Barock-Trompetentrio. Intonationsprobleme bei den Holzbläsern waren der kalten Kirche und den bautechnischen Empfindlichkeiten der sensiblen barocken Instrumente geschuldet. Großmann musste einige Male helfend eingreifen, um Irritationen auszumerzen.
Seine Wahl der Solisten hatte mit dem Tenor Markus Schäfer (Rez. und Arien ) ein Staraufgebot. Schäfer sang routiniert, höhensicher und meisterte seine Partie souverän. Der noch junge Bassist Philipp Brömsel vermochte mit sonorem Bass und großem Material die Kirche mühelos zu füllen. Seine ganze Musikalität wusste er in Begeisterung und Klangschönheit umzusetzen und so geriet „Großer Herr und Starker König“ mit guter Textverständlichkeit zu einem Höhepunkt des Abends. Auch Regina Grönegreß (Alt) konnte mit klarer Diktion und schön geführter Linie überzeugen. Die beiden großen Arien „ Bereite dich Zion“ und „Schlafe mein Liebster“ zeigten in ihrem gegensätzlichen Charakter zum einen viel Temperament und zum anderen die nötige Ruhe und Expressivität in der Stimmführung. Annika Gerhards sang mit guter Textverständlichkeit und gefälligem Sopran.
Der Abend endete in dankbarem Applaus, der mit „Herrscher des Himmels“ (Kantate Nr III) als Zugabe belohnt wurde und als das noch nicht genügte, noch einmal den festlichen Eingangschor wiederholte.
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Die Zugabe überragt alles
Gallus-Konzert: Die Flörsheimer Kantorei setzt die besonderen Akzente - Kammerphilharmonie eher bemüht als beseelt
Rüsselsheimer Echo 14. Dez. 2010 - Von Albrecht Schmidt
Herausragende Momente bei Musikveranstaltungen resultieren meist aus unvorhergesehenen Überraschungen. So war es die Zugabe, die beim Weihnachtskonzert in der Flörsheimer Galluskirche am Sonntagnachmittag für den alles überragenden Gipfelpunkt des Programms sorgte.
Unter Andreas Großmanns Leitung fanden sich die Flörsheimer Kantorei und die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg in dem wunderschönen Chorsatz »Es wird ein Stern von Jacob aufgeh'n« aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorien-Fragment »Christus« zu einer tief empfundenen Wiedergabe zusammen.
Das in Wohlklang badende Orchester untermalte mit breitem, üppigem Ton und prächtiger Klangentfaltung den mit weit gefächerter Dynamik, ausgeglichenen Stimmen und herrlich aufblühenden Melodielinien agierenden Chor. Als sich im schwärmerischen Klangfluss das Orchester ausblendet und der Chor a capella mit kraftvollem, sonorem Ton den Choral »Wie schön leuchtet der Morgenstern« intoniert, scheint in der Galluskirche ein zusätzliches helles Licht zu strahlen.
Schlagartig wird deutlich, dass Mendelssohns Spätwerk den kompositorischen Fingerübungen des einstigen Wunderkindes Felix haushoch überlegen ist. Im »Magnificat«, das am Ende des Flörsheimer Weihnachtskonzertes erklang, orientiert sich der dreizehnjährige Mendelssohn, die Anleitungen seines Lehrers Carl Friedrich Zelter brav umsetzend, an seinem großen Vorbild Johann Sebastian Bach. Der Orchesterklang bleibt in der Realisierung durch die Kammerphilharmonie St. Petersburg spröde, und den Musikern ist die Mühe bei der Bewältigung rascher Spielfiguren anzumerken. Schulmeisterlich wirken die polyphonen Chorsätze (»Et misericordia«, Schlussfuge), und auch die Gesangssolisten Andrea Reuter (Sopran), Anne Catherine Wagner (Alt) und Christoph Kögel (Bass) erledigen ihren Part eher bemüht als beseelt.
Dankbarere Aufgaben findet Andrea Reuter in Johann Sebastian Bachs Solokantate »Jauchzet Gott in allen Landen«. Andreas Großmann leitet hier vom Orgelpositiv her, betont die rhythmisch-motorische Seite und vermittelt damit nachhaltig die Vitalität des Werks. Die heiklen jubilierenden Sopran-Koloraturen finden freilich im allzu rohen Spiel der Streicher nicht das angemessene Pendant: Insgesamt entstand eher der Eindruck eines bloßen Nebeneinanders als der eines harmonischen Miteinanders. So war es der Flörsheimer Kantorei vorbehalten, für atmosphärisch ansprechendere Programmbeiträge zu sorgen. Nach Johannes Brahms' »Ave Maria« für Frauenchor und Orchester überraschten die über fünfzig Sängerinnen und Sänger bei Heinz Werner Zimmermanns »Vier Motetten zur Weihnacht« für vierstimmigen Chor und Kontrabass mit einem frischen Chorklang, der den vom Jazz inspirierten, mit Walking-Bässen hübsch garnierten Stücken ein Höchstmaß an Lebendigkeit und Spannkraft abgewann.
Äußerst effektvoll waren auch die zeitnahen Chorsätze »Nativity Carol«, »Christmas Lullaby« und »Star Carol« des beliebten englischen, 1945 geborenen Komponisten John Rutter, dessen kantable Melodik und plakative, gelegentlich mit einem gefälligen Schmuse-Sound kokettierende Schreibweise bei den Choristen bestens untergebracht war. In der voll besetzten Flörsheimer Galluskirche gab es begeisterte Zustimmung für dieses, sich in eine lange Tradition einreihende Weihnachtskonzert.
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Lebendigkeit und formale Strenge
St. Gallus Weihnachtskonzerte der Flörsheimer Kantorei mit Gästen wie gewohnt auf hohem Niveau
Main-Spitze 13.Dez.2010 - Von André Domes
Ein Dauerbrenner und eine sichere Bank für die Veranstalter sind sie, die Weihnachtskonzerte der Reihe „Gallus-Konzerte“. Und auch wenn die gegenwärtige Grippewelle beim ersten der beiden Aufführungstermine am Wochenende einige Lücken ins Auditorium geschlagen hatte, so zeigte sich doch auch am Samstag wieder das gewohnte Bild einer gut gefüllten Galluskirche. Keine krankheitsbedingten Auswirkungen waren bei den Ausführenden des Konzertes spürbar, der Flörsheimer Kantorei, der nach 2009 zum zweiten Mal engagierten Kammerphilharmonie St. Petersburg und den Vokal-Solisten Andrea Reuter, Anne Catherina Wagner und Christoph Kögel, die wie immer unter der Leitung von Andreas Großmann technisch und interpretatorisch auf hohem Niveau agierten.
Etwas schwer fiel es am Samstag, den von den Machern sicher beabsichtigten roten Faden im Programm nachzuspüren. Dies ist aber auch schon der einzige kritikwürdige Punkt des Abends. Den Besuchern bot sich nämlich eine stilistisch wie epochal überaus durchmischte Zusammenstellung von Werken, die als eigenständige Beiträge durchweg für klare Aussagen standen, deren Zusammenhang sich aber nur schwerlich erschloss. Insbesondere die beiden zeitgenössischen Beiträge, drei Stücke von John Rutter im gefälligen Stil anglo-amerikanischer Chormusik und ein sperrig wirkender Motetten-Zyklus zwischen Jazz und Choral von Heinz Werner Zimmermann, wirkten als starke Zäsuren im Ablauf.
Schade, denn die Stücke mit dem unmittelbarsten Bezug untereinander wurden so voneinander getrennt. Johann Sebastian Bachs populäre Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ und das Magnificat als beachtliches Frühwerk des großen Bach-Wiederentdeckers Felix Mendelssohn-Bartholdy waren nicht nur aufgrund ihrer Länge die herausragenden Werke des Abends. Obwohl in ihrer Instrumentierung deutlich unterschiedlich, bestachen beide Kompositionen mit einem ganz ähnlichen Spannungsmoment, das Ergebnis des scheinbaren Widerstreites teils verspielt wirkender Lebendigkeit und der formalen Strenge der barocken Kompositionsweise ist. Den Musikern gelang es in griffiger Weise, die jeweiligen Ausschläge auf eine der beiden Seiten, bei Bach freilich in Richtung der Form, bei seinem geistigen Nachfolger in Richtung Emotionalität, eindrücklich zu vermitteln. So brachte Sopranistin Andrea Reuter die Bachsche Kantate besonders in den dynamischen Sätzen eins und fünf mit gutem Gespür für griffige Akzente zum Strahlen, auch dank eines diszipliniert wie nachdrücklich agierenden Instrumentalensembles.
Beim abschließenden Mendelssohn-Magnificat schlug dann gleichermaßen die Stunde von Chor und Solisten-Ensemble.
Ohnehin ist in der Zusammenführung der einzelnen Konzert-Akteure zu einem ausgewogenen und zu jeder Zeit stimmigen Ganzen einer der größten Verdienste Andreas Großmanns zu sehen. Dem Kirchenmusikdirektor des Bistums Limburg ist es gelungen, ein Gesamtensemble einzuarbeiten, das flexibel und souverän auf die unterschiedlichen Stile und technischen Anforderungen zu reagieren wusste und die Wandelbarkeit mit Behutsamkeit und Einfühlungsvermögen verband.
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Kantorei auf hohem Niveau von Nadja Salameh
GALLUSKONZERT Andreas Großmann leitet zwei glänzende Abende mit Weihnachtsmusik
Unter der Leitung von Andreas Großmann gelang der Flörsheimer Kantorei in der Reihe der "Gallus-Konzerte" wieder ein Vortrag auf hohem Niveau, der mit der Kammerphilharmonie St. Petersburg einen zusätzlichen Glanzpunkt setzte. Das Jubiläumsjahr von Felix Mendelssohn Bartholdy war Anlass, weihnachtliche Kompositionen von ihm in das Programm aufzunehmen. Zusätzlich wurde das Jubiläumsjahr der Dahm-Orgel in St. Gallus zum Abschluss gebracht. In der an zwei Abenden komplett ausverkauften Kirche konnten sich die Zuhörer auf Orgelmusik und romantische Klänge des Chor-Orchesterapparates einstimmen.
Die Dahm-Orgel, deren Geschichte vom Neubau 1709 im Karmeliterkloster Frankfurt bis zum Verkauf nach Flörsheim 1809 reicht, eine glückliche fachkundige Restauration um 1959 beinhaltet und schließlich im gelungenen Jubeljahr 2009 einen würdigen Abschluss findet, gilt als eine der besten Barockorgeln Deutschlands. Dieses Instrument zu spielen, bot dem versiert agierenden Markus Eichenlaub, dem Organisten am Dom zu Limburg, Gelegenheit, die einmalige Farbenpracht und Wärme der Register zu präsentieren.
Schon die Ouvertüre zu "Paulus" von Mendelssohn Bartholdy wurde zum fein abgestimmten Klangerlebnis, bei dem der Choral "Wachet auf" gut zu hören war. Freilich bildeten die "Canonischen Veränderungen" über "Vom Himmel hoch" BWV 769 von Bach den Höhepunkt. Hier zeigte Eichenlaub, wie meisterlich das Thema vergrößert, verdoppelt oder verkleinert wurde. Er entfaltete eine große Dynamik und alle Stufen der Bearbeitung des Choralthemas waren toll gespielt.
Dem stand der Chor in nichts nach. Vor allem die Brahms-Motette "O Heiland reiß die Himmel auf" war in Intonation und Dynamik sehr gelungen. Der Chor klang stets ausgewogen und frisch.
Eine Rarität war mit Mendelssohns Fragment "Die Geburt Christi" des Oratoriums "Christus" zu hören. Hier bestach der Chor durch wunderbar aufsteigende Linien bei "Stern aus Jakob aufgehn", um den dramatischen Teil von "Zerschmettern Fürsten und Städte" kontrastreich dagegenzusetzen. Auch in der Choralkantate "Vom Himmel hoch" , ebenfalls von Mendelssohn, zeigte er kraftvolle Ausbrüche und schöne Pianissimo-Passagen. Spätestens hier war die hervorragende Qualität des Kammerorchesters zu hören. Herrliche Streicher und Flöten ergänzten den symphonischen Charakter der Komposition und auch die Blechbläser überzeugten mit strahlenden Tönen.
Mit Andrea Reuter (Sopran) und Erhard Brunner (Bass) hatte Großmann zwei erfahrene Solisten. Vor allem Reuter konnte in Max Regers Choralkantate "Vom Himmel hoch" mit innigem lyrischem Sopran das Publikum für sich gewinnen. Brunner, diesmal kaum gefordert, klang leicht indisponiert, allein sein profunder Bass machte vieles wett. Andreas Großmann am Pult gelang ein festliches Konzert, das die schönsten weihnachtlichen Choralmelodien zum Thema hatte. Das Publikum dankte mit großem Applaus und wurde mit der Wiederholung von "Stern aus Jakob aufgehn" belohnt. Main-Spitze 15. Dezember 2009
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